Trutzhain nach dem Krieg

Inhumane Lebensbedingungen, Zwangsarbeit und Rassismus herrschten für die Kriegsgefangenen in dem StaLag IX A, einem ehemaligen Stammlager, welches heutzutage die Gemeinde Trutzhain ist. Aber wie wurde aus dem Arbeitslager eigentlich die heutige Gemeinde Trutzhain?

Nach der Befreiung durch die Alliierten und die anschließende Auflösung des Kriegsgefangenenlagers am 30. März 1945 kam es noch nicht sofort zur Gründung Trutzhains. Dies geschah erst nach mehreren Phasen des ursprünglichen Lagers, beginnend mit dem Civil Internment Camp 95 (kurz: CIC). Das CIC wurde von den Vereinigten Staaten Amerikas erbaut und genutzt, um Mitglieder der NSDAP, SA, SS und Soldaten der Wehrmacht nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu internieren. Hier sollten nun gezielt demokratische Werte in den Köpfen der Nationalsozialisten etabliert werden: Mithilfe einer neuen Verwaltung, bestehend aus Lagerbürgermeister, Ordnungsdienst und Lagergericht, sowie einer Zeitschrift, die über den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands berichtete, sollte dies erreicht werden. Im März 1946 wurde das CIC geschlossen, die verbliebenden internierten Insass*innen wurden größtenteils freigelassen, jedoch blieben viele der nationalsozialistischen Ideologie treu, was man unter anderem im Museum Trutzhains auf einer erhaltenen Tür sehen kann.

Mit der Massenflucht osteuropäischer Juden im Sommer 1946 wurde das leere Lager von den Vereinigten Staaten zu dem DP-Lager 95-443 Ziegenhain umgebaut. DP steht für „Displaced Persons“, was so viel bedeutet wie „Menschen, die nicht hier beheimatet sind“. Das Lager wurde so zu einer Durchgangsstation für flüchtende Juden, die – aus den Konzentrationslagern der Nazis befreit – nun nach Amerika, Großbritannien, Kanada, Australien oder Palästina auswandern wollten. Sie wurden in Trutzhain medizinisch behandelt, psychisch betreut und mit Grundnahrungsmitteln versorgt. Im November 1947 wurde das DP-Lager aufgelöst, doch endet die Aufnahme von Flüchtlingen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig.

Im Januar 1948 pachtete der Kreis Ziegenhain das Gelände des ehemaligen Lagers, um Flüchtlingen aus Gebieten des Ostens wie Schlesien, Ost- und Westpreußen und Pommern eine Unterkunft bieten zu können. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Siedlung zum ersten Gewerbegebiet Ziegenhains mit einem Industrie- und Handwerksstandort.

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Ehemalige Baracken

Aus diesem Gewerbegebiet wurde dann am 1. April 1951 die Gemeinde Trutzhain. Mit über 700 Einwohner*innen ist Trutzhain heute mehr als dreimal so groß als zum Gründungzeitpunkt. Trotz der Neubaugebiete sind die ehemaligen Baracken und die Hauptstraße als Erinnerung an die Geschichte der „jüngsten Gemeinde Hessens“ klar zu erkennen. Dank der Gedenkstätte haben auch wir als Schüler*innen die Möglichkeit, Stücke der Vergangenheit zu sehen und aus ihr zu lernen, deshalb wollen wir von der Redaktion euch die Informationsangebote und Veranstaltungen des Museums sehr ans Herz legen. Weiteres könnt ihr auf der Homepage der Gedenkstätte https://www.gedenkstaette-trutzhain.de/ erfahren.

Wenn ihr mehr über die Geschichte des Lagers während des Zweiten Weltkrieges erfahren wollt, lest Evelynes Artikel: „Exkursion in die Gedenkstätte Trutzhain“ https://schuelerzeitung.schwalmgymnasium.de/wp-admin/post.php?post=2276&action=edit

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