Juniorwahl zeigt Schwächen auf 

Parallel zur Bundestagswahl dieses Jahres wurde an unserer Schule die Juniorwahl durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Wahlsimulation, bei der Jugendliche in den politischen Prozess eingebunden werden. Auf diese Weise soll das Interesse an Politik geweckt und Freude an politischer Beteiligung vermittelt werden. Mehr Informationen zur Juniorwahl und den Ergebnissen an unserer Schule findet Ihr hier

Uns hat interessiert, ob die Juniorwahl an unserer Schule ernst genommen wird und wie die Wahlergebnisse zustande gekommen sind. Wir haben euch gefragt!

Die Jahrgänge 10 bis 13 – und damit 365 Schüler*innen – konnten an der Umfrage, wie auch an der Juniorwahl, teilnehmen. Wir haben 163 Antworten bekommen. Das sind knapp 45%. Vielen Dank fürs Mitmachen! 

Alles nur ein Spaß?

Die meisten von Euch, 86,5%, haben bei der Juniorwahl so gewählt, wie sie es auch bei der Bundestagswahl gemacht haben oder tun würden, wenn sie wahlberechtigt wären. 11% haben allerdings anders gewählt. Da dies das Ergebnis verfälscht, wollten wir wissen, warum die Wahlentscheidung am Ende doch eine andere war. 

Einige waren zum Zeitpunkt der Juniorwahl noch unentschlossen oder haben sich bis zur Wahl umentschieden, weil sie sich genauer mit der Bundestagwahl auseinandergesetzt haben. Die Juniorwahl hat also dazu angeregt, sich ausführlich mit der Bundestagswahl zu beschäftigen und sich zu informieren – in der Schule und im Privaten. Andere haben bei der Erststimme anders gewählt, weil sie in einem anderen Wahlkreis wohnen und dementsprechend andere Direktkandidatinnen und -kandidaten zur Wahl standen.

Oft war ein Kriterium jedoch die 5% Hürde bei der Bundestagswahl. Die Stimme für eine Partei, die diese nicht überwindet, könnte verschwendet sein. Da die Juniorwahl nur eine Simulation ist, spielt die 5% Hürde hierbei keine Rolle. Das hat dazu geführt, dass auch für kleine Parteien, wie Die Partei (5,6%), die Freien Wähler (2,9%), die Tierschutzpartei (1,6%), Volt (1,3%) und auch die MLPD (0,3%), gestimmt wurde. 

Nur wenige haben angegeben, dass sie zum Spaß bei der Juniorwahl anders gewählt haben.

Frieden und Sicherheit besonders wichtig

Besonders wichtig waren den Abstimmenden die Themen Frieden und Sicherheit, dicht gefolgt von sozialer Gerechtigkeit bzw. sozialer Sicherheit sowie Bildung. Aber auch die Themen Migration sowie Wirtschaft und Arbeit waren ausschlaggebend für die Entscheidung. Klimaschutz, Wohnen und die Altersvorsorge hingegen waren für viele nicht so entscheidend. 

Die da oben

Wirklich gut fühlen sich die Schülerinnen und Schüler von der Politik nicht vertreten. Viele bewegen sich im Mittelfeld. Mit einem eindeutigen „ja“ haben nur 1,9%, mit „eher ja“ 13,7% der Befragten geantwortet. Mit „Nein“ hingegen haben 11,2% und mit „eher nein“ 34% abgestimmt.

Ich finde, dass Politiker*innen mehr tun müssen, um mit jungen Leuten in den Kontakt zu treten und ihre Themen zu vertreten – auch wenn Jugendliche unter 18 Jahren noch nicht wählen dürfen. Besonders wichtig ist das, damit Jugendliche sich nicht von der Politik abwenden, sondern am demokratischen Prozess teilnehmen und interessiert daran sind. 

Gut informiert – auch in der Schule?

Die Mehrheit – 86,5% – hat sich „recht gut“ und „gut“ über die Juniorwahl informiert gefühlt. Jedoch gaben nur etwa 65% an, dass sie in der Schule ausreichend über die Wahl informiert wurden. 25,2% haben sich seitens der Schule nicht ausreichend informiert gefühlt. Die Idee der Juniorwahlen, in der Schule und im Unterricht über die Bundestagswahl zu informieren und aufzuklären, war also nur bei knapp einem Drittel der Befragten in der Umsetzung erfolgreich. 

Außerhalb der Schule haben besonders viele am Wahl-O-Mat, Real-O-Mat oder ähnlichen Angeboten teilgenommen und diese zur Informationsbeschaffung genutzt, dicht gefolgt von Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Tik Tok. Etwa 62% haben sich Fernsehsendungen zur Wahl angeschaut. Erst auf Platz vier, mit 60,1%, sind die Parteien mit ihren Wahlprogrammen oder anderen Wahlkampfveranstaltungen vertreten.

Deutlich zu sehen ist, dass Jugendliche sich über neue Formen von Medien informieren. Vor allem Social Media ist eine der Hauptinformationsquellen neben den Fernsehsendungen. 

Meiner Meinung nach sollte besonders über die Chancen und Risiken von sozialen Medien als Instrument für politische Kommunikation, auch im Wahlkampf, aufgeklärt und sensibilisiert werden, zumal diese offensichtlich eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen. 

Und jetzt?

Die Juniorwahl zeigt, dass die Aufklärung im Vorfeld der Wahl an unserer Schule ausgeweitet werden könnte. Aber auch die allgemeine politische Bildung muss als Grundlage vorhanden sein, um sich selbst eine Meinung bilden zu können und am demokratischen Prozess teilzunehmen. Auch hierbei muss die Schule als Bildungseinrichtung in die Verantwortung genommen werden. 

Aber auch Politiker*innen müssen die Bedürfnisse von Jugendlichen ernst nehmen und diese vertreten, damit Jugendliche sich nicht von der Politik abwenden.


Schreibt uns gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag, wenn ihr Anregungen oder noch Fragen zur Auswertung der Umfrage habt!

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